Bestand 180.01 - Deutsche Ostasienmission

Bereich "Identifikation"

Signatur

180.01

Titel

Deutsche Ostasienmission

Datum/Laufzeit

  • 1826 - 2000 (Anlage)

Erschließungsstufe

Bestand

Umfang und Medium

16,75 m

Bereich "Kontext"

Name des Bestandsbildners

Biographische Angaben

Bestandsgeschichte

Am 27. Dezember 1976 teilte der Pfälzische Hauptverein der Deutschen Ostasienmission (DOAM) dem Protestantischen Landeskirchenrat der Pfalz mit, dass die DOAM als Referat in das Evangelische Missionswerk in Südwestdeutschland e.V. (EMS) integriert sei und die bisherigen Archivräume in Heidelberg aufgegeben werden müssten. Auf Anfrage habe die Evangelische Kirche der Union für die Übernahme des umfangreichen Archivbestandes kein Interesse bekundet. Das EMS in Stuttgart könne aus Raumgründen das Archiv auch nicht übernehmen. Der Protestantische Landeskirchenrat entschloss sich daraufhin, das Archiv der DOAM in das Landeskirchliche Archiv (heute: Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz) zu übernehmen. Am 14. 9./4. 11. 1977 wurde ein Vertrag geschlossen, wonach die DOAM der Evangelischen Kirche der Pfalz das Archiv der DOAM zur unentgeltlichen Verwahrung überlässt. Es wurde weiterhin vereinbart, dass die Unterlagen für die Benutzung zur Verfügung stehen wie alle anderen im Landeskirchenarchiv verwahrten Archivalien (vgl. lfd. Nr. 568). Die Bestandsübernahme durch das Landeskirchliche Archiv erfolgte am 2. 8. 1977. Ein weiterer Bestand wurde am 16. 5. 1979 übergeben. Kleinere Nachträge erfolgten Ende 1980 und im April 1981. Weitere Zugänge an Schriftgut, insbesondere an Nachlässen und aus der ehemaligen DDR, führten zu einer Aufgliederung des Bestandes "Deutsche Ostasienmission" in verschiedene Teilbestände. Die seinerzeit lediglich unter 5 Nummern der ersten Abgabe angeführten Glasdias wurden ebenso wie die Fotos einem eigenen Bestand zugeordnet (Abt. 180.7 und 180.8). Damit können weitere Zugänge bei den Einzelbeständen ohne Probleme zugeordnet werden. Die seinerzeit vorgenommene und konservatorisch höchst bedenkliche Bindung der Akten im Lumbeck-Verfahren wird im Zuge einer erforderlichen Sicherungsverfilmung und Digitalisierung der Unterlagen vorsichtig entfernt. Durch das Lumbeck-Verfahren war eine Auflösung von Sammelakten bzw. sinnvollere Zuordnung durch Herstellung von Protokollserien und Formierung von zusammengehörigen Unterlagen etwa der Landesvereine in den Altakten nicht möglich. Insofern muss im ausgedruckten Findbuch die unbefriedigende Erschließungssituation der Gruppe 1 in Kauf genommen werden. Einen gezielten Zugriff ermöglicht die Volltextrecherche. Im Frühjahr 2003 wurde der Bestand neu klassifiziert und in ein digitales Findbuch überführt. Einige Aktentitel wurden neu formuliert. Eine weitere Verzeichnung erfolgte 2014. Derzeit umfasst der Bestand 572 Verzeichniseinheiten in 17,5 lfd. Metern bei einer Laufzeit von 1826 bis 2000. Die Unterlagen des Referats DOAM in dem Missionswerk "Evangelische Mission in Solidaritat" (vormals Evangelisches Missionswerk Südwestdeutschland) werden weiterhin übernommen und einem eigenen Bestand zugeordnet (Abt. 180.21). Akten der DOAM aus Stuttgart werden weiterhin übernommen. Seit der deutschen Wiedervereinigung nimmt die DOAM auch die Aufgaben aus der ehemaligen DDR wahr, wie etwa die jährliche Studientagung im Herbst.

Abgebende Stelle

Bereich "Inhalt und innere Ordnung"

Eingrenzung und Inhalt

Im Findbuch wurde mit Hilfe zahlreicher Darin-Vermerke zu erreichen versucht, die Inhalte der Aktenstücke der Benutzung möglichst umfassend zu erschliessen. Überlieferungssituation (aus dem Vorwort von Wolfgang Eger, 1981) Überliefert ist die erste vorbereitende Korrespondenz aus den Jahren 1876ff. zur Anbahnung einer dogmenfreien Mission und die ersten Besprechungen des Vereins in den religiös-kirchlichen Blättern und Zeitschriften. Umfangreiches Material widmet sich auch der Gründungskonferenz in Frankfurt/M. am 11. 4. 1883, der konstituierenden Versammlung in Weimar am 4./5. 6. 1884, der ersten Vereinszeit von Weimar bis Mannheim (1884-1885) und von Gotha bis Braunschweig (1886-1887) sowie der Gewinnung des Großherzogs von Weimar als Protektor des Vereins. Der erste Präsident der Ostasienmission, der schweizer Pfarrer Ernst Buß aus Glarus, führte anlässlich der Gründung der Mission bei seiner Begrüßungsansprache im Juni 1884 in Weimar aus: "...Nun liegen aber auch in der Seele des Heiden, wenngleich vielfach sehr verkümmert, Keime und Reste ewiger Wahrheit und gesunden religiösen Lebens, die dem Geist des Evangeliums innig verwandt sind. Werden diese liebend ausgesucht, wird hieran angeknüpft und das Evangelium dem Heiden dergestalt nahe gebracht, dass er fühlt: das ist ja mein eigenes besseres Selbst, das ist erst die volle Höhe und Schönheit dessen, was ich selbst geahnt und gesucht, aber zu finden nicht vermocht habe! Dann wird das Evangelium empfänglichen Boden finden, dann kann es Wurzeln schlagen im Volksgemüt, dann wird es die segensvollen Früchte des Geistes zeitigen in Asien und Afrika so gut wie bei uns. Ist aber der Geist Jesu Christi einem Volke einmal ins Herz gedrungen, so wird sich dieser Geist schon selbst die gottesdienstlichen und kirchlichen Formen schaffen, die ihm auf jenem Boden angemessen sind, vielleicht ganz andere, als wir sie gewohnt sind, vielleicht überschwänglichere, vielleicht ärmlichere - Gott verlangt ja nicht, dass alle seine Kinder den Vaternamen mit den gleichen Lauten stammeln -, jedenfalls aber volkstümliche, dem Nationalcharakter entsprechende. Sind es aber volkstümliche Formen, so werden sie auch eine volkstümliche Anziehungskraft ausüben und den Anschluss erleichtern. Das Christentum, weit entfernt, zu entnationalisieren, wird vielmehr selbst ein nationales Element, ein Sauerteig, der allmählich ein ganzes Volk durchdringt, ganze Völker von innen heraus zu christlicher Gesittung erziehen kann...". Vorhanden sind der Entwurf zu den Statuten des Vereins (1883-1884) und die 1886 verabschiedeten Statuten, die Sitzungsprotokolle des Zentralvorstandes, des Geschäftsausschussses, der Mitgliederversammlung, von Mitarbeiterbesprechungen und Hauskonferenzen und auch die ersten Statuten von Zweigvereinen. Auf der im Juli 1883 stattfindenden Statutenberatung werden die für die Missionsarbeit wichtigen Aspekte genannt: "Der Allgemeine Evangelisch-Protestantische Missionsverein hält die Mission in der nichtchristlichen Welt für eine im Befehl und der Verheißung Jesu wie in der göttlichen Bestimmung des Christentums begründete, unabweisbare Pflicht der gesamten Christenheit und stellt sich deshalb die Aufgabe, an seinem Teil dazu mitzuwirken, dass die Erlösung durch Jesus Christus, die Segnungen christlicher Gotteserkenntnis, christlichen Lebens und christlicher Kultur immer mehr zum Gemeingut aller Völker werden. Er erkennt in den außerchristlichen Religionen mit Paulus und den hervorragendsten Kirchenlehrern der ersten Jahrhunderte christlicher Zeitrechnung Keime göttlicher Wahrheit an und setzt sich deren Entfaltung und Vollendung in der christlichen Religion zum Ziel. Er will seine Aufgaben lösen im Sinne des evangelisch- protestantischen Glaubens und gewährt hierbei jeder Überzeugung Raum, die auf dem Boden des Evangeliums Jesu Christ gewachsen ist. Auf dieser Grundlage strebt er die Vereinigung und Mitarbeit aller derer an, die von der Notwendigkeit einer Mission im Geiste des Evangeliums und der Reformation durchdrungen sind, gleichviel, welcher theologischen Richtung oder konfessionellen und kirchlichen Denomination sie angehören. Er tritt ergänzend neben die bereits bestehenden evangelischen Missionsvereine, indem er die Missionsgebiete ins Auge fasst, welche von jenen noch gar nicht oder nur mit geringem Erfolg in Angriff genommen worden sind, und indem er vornehmlich auch diejenigen Kreise der evangelischen Christenheit zur Teilnahme am Missionswerk heranzuziehen trachtet, welche sich bisher davon ferngehalten haben, damit die Mission aufhöre, nur das Werk eines kleinen Bruchteils der Kirche zu sein". Weiterhin vorhanden sind die Unterlagen für die Gründung einer Missionsbibliothek (1887), die Einrichtung eines Stipendiums (1887), zur "dritten" Vereinszeit von Braunschweig bis Zürich (1887-1888) und die nun folgenden Jahresversammlungen. Besonders interessantes Material stellt der erste Jahresbericht von Ernst Faber aus Schanghai (1887) und die Berichte über das Faberhospital, über Bau- und Grundstücksfragen, Schuleinrichtungen, über die Besetzung des Pfarramtes der Deutschen Evangelischen Gemeinde in Schanghai, Tsientsin, Peking und Tokio dar. Aus der Zeit des Ersten Weltkrieges und des Nationalsozialismus und aus der Zeit nach 1945 datieren aufschlußreiche Situationsberichte vom Missionsfeld. Die Fragen der Eingliederung der Äußeren Mission in die deutsche evangelische Kirche (1933 ff.) bilden dabei einen Schwerpunkt. Vorhanden sind schließlich die Protokolle des Missionarskollegiums Tsingtau, die Verhandlungen zum Bau eines Studentinnenwohnheims in Tokio (1965), umfangreiche Unterlagen über die Verbindungen zur Schweizerischen Ostasienmission, zu den Landesvereinen - mit den Tagungsberichten der Landesvereine - und zu den Landeskirchen. Die vom Jahre 1902 beginnende ärztliche Mission in China ist samt bemerkenswerten Hospitalsberichten aus Kaumi, vom Faber-Hospital, aus Tsining und Tsingtau (Wunschhospital) belegt. Aus neuerer Zeit datiert das Material über die Kontakte mit Japanern in Deutschland. Immer wieder werden Finanz-, Vermögens- und Grundstücksfragen in Deutschland und in der Mission einschließlich der deutsch-japanischen Studienprojekte aktenkundig, so auch die Verbindung zum Kyodan, zu den Arbeitsgemeinschaften für Weltmission und ökumenische Mission (z.B. zum Japankomittee deutscher Missionen). In Klassifikationsgruppe 3 sind die Korrespondenzen mit den - alphabetisch geordneten - Missionsinspektoren und Missionaren, den Ärzten, Schwestern und anderen Bediensteten der DOAM vorhanden. Besonderes Interesse verdienen die Briefe Ernst Fabers aus Schanghai und Hongkong aus den Jahren 1884ff. Häufig sind auch die Bewerbungs-, Anstellungs- und Aussendungsunterlagen der Missionsbeschäftigten vorhanden. Interessante Einblicke in die oft entsagungsvolle und gefährdete missionarische Arbeit vermitteln die zahlreichen Tätigkeits- und Situationsberichte, die regelmäßig der Heimatleitung zugesandt wurden. In dieser Abteilung stellen die vielfältigen Werbungen, Rundbriefe, Flugschriften, Reisetätigkeiten, Bau- und Finanzplanungen, Konferenzen einen Schwerpunkt dar. Einige unveröffentlichte Manuskripte und Predigten verdienen neben einliegenden Druckschriften besondere Aufmerksamkeit. In Klassifikationsgruppe 2 sind Materialien zu den Missionsorten bzw. -stationen überliefert. Unterlagen über die deutsche evangelische Gemeinde in Schanghai (1886ff.) samt ihren Satzungen, über die deutsche evangelische Gemeinde in Tokio (1884ff.) samt Satzungen, Kirchenbau, deutscher und theologischer Schule (auch in Yokohama), über die Tokio-Station, den Neubau eines Studentinnenheimes in Tokio sind ebenso vorhanden wie Materialien über Tsingtau mit dem Faberhospital, der Schule und den Berichten über die dortigen politischen Unruhen (1927ff.), über die Kyoto-Station mit den Predigtstationen Osaka und Suzuki, der Kriegsgefangenenseelsorge während und nach dem Ersten Weltkrieg, den Brand der deutschen evangelischen Kirche im Zusammenhang mit dem großen Erdbeben 1923, wie auch über die Kiautschoumission, das Haus Fukuoka und das Tomizaka-Seminar-Haus. Dieser Bestand wird durch eine Fülle von Rechnungsunterlagen, von Bau- und Finanzierungsplänen und von Stationskassenabrechnungen angereichert. Häufig sind auch die Personalunterlagen der Missionare nochmals vorhanden bzw. ergänzen die entsprechenden Unterlagen der Gruppe 2, sodass in allen Personalfragen die Akten der Abt. 2 und der Abt. 3 heranzuziehen sind. Die umfangreiche Gruppe 4 umfasst alle Rechnungs-, Kassen- und Vermögensunterlagen der Ostasienmission. Die ersten Rechnungsbücher datieren aus den Jahren 1889ff. Rechnungsunterlagen, z.B. der Stationskassen, finden sich auch in Gruppe 3. Die von Wolfang Eger an dieser Stelle erwähnte Gruppe V (Fotos, Klischees, Glasdias) wurde inzwischen aufgeteilt und anderen Beständen zugeordnet (180.06., 180.07.). Die in der ersten Verzeichnungsphase angelegte Gruppe VI (Bücher, Zeitschriften, Druckschriften) wurde zum Bestand 180.08. formiert.

Bewertung, Vernichtung und Terminierung

Zuwächse

Ordnung und Klassifikation

Verzeichnung (aus dem Vorwort von Wolfgang Eger, 1981)
Bei der Anlage des Bestandes wurden je ein vorhandener Akten- und Registraturplan verwendet, die - undatiert - im Bestand gefunden wurden. Die Auflösung der zum Teil überfüllten Ordner und Hefter verbot sich, da die einzelnen Betreffe überwiegend paginiert sind. Trotzdem fehlen bei einer kleinen Zahl von Aktenstücken einige Seiten bzw. Seitenteile.

Der vorhandene Aktenplan des Archivs orientierte sich an einem veralteten, wohl aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammenden Ordnungsprinzip. Er gliederte in die Gruppen
A Heimat
B Missionare
C Japan
D China
E Ärztliche Mission
F Schweiz und Landesvereine

Diese Ordnung wurde zugunsten folgender aufgelöst:
Abt. I Geschichte, Verfassung und Verwaltung
Abt. II Personen (Missionsbedienstete)
Abt. III Orte (Missionsstationen)
Abt. IV Finanzen, Vermögen
Abt. V Fotos und Klischees
Abt. VI Literatur (einschl. Zeitschriften, Rundschreiben, Flug- und Werbeschriften)

Im Findbuch wurde mit Hilfe zahlreicher Darin-Vermerke zu erreichen versucht, die Inhalte der Aktenstücke der Benutzung möglichst umfassend zu erschliessen.

Bedingungen des Zugriffs- und Benutzungsbereichs

Benutzungsbedingungen

Reproduktionsbedingungen

In der Verzeichnungseinheit enthaltene Sprache

Schrift in den Unterlagen

Anmerkungen zu Sprache und Schrift

deutsch

Physische Beschaffenheit und technische Anforderungen

Bereich Sachverwandte Unterlagen

Existenz und Aufbewahrungsort von Originalen

Existenz und Aufbewahrungsort von Kopien

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Verwandte Beschreibungen

Bereich "Anmerkungen"

Alternative Identifikatoren/Signaturen

Zugriffspunkte

Zugriffspunkte (Thema)

Zugriffspunkte (Name)

Zugriffspunkte (Genre)

Bereich "Beschreibungskontrolle"

Identifikator "Beschreibung"

Archivcode

Benutzte Regeln und/oder Konventionen

Status

Erschließungstiefe

Daten der Bestandsbildung, Überprüfung, Löschung/Kassierung

Sprache(n)

Schrift(en)

Quellen

Bereich Zugang