Bestand Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Q 1/18 - Nachlass Karl Freiherr von Weizsäcker, Ministerpräsident (* 1853, + 1926) (Bestand)

Bereich "Identifikation"

Signatur

Landesarchiv Baden-Württemberg,
Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Q 1/18

Titel

Nachlass Karl Freiherr von Weizsäcker, Ministerpräsident (* 1853, + 1926) (Bestand)

Datum/Laufzeit

  • (1847-) 1870-1926 (-1965) (Anlage)

Erschließungsstufe

Bestand

Umfang und Medium

177 Nummern

Bereich "Kontext"

Bestandsgeschichte

Abgebende Stelle

Bereich "Inhalt und innere Ordnung"

Eingrenzung und Inhalt

1. Zur Person Weizsäckers: Lebensdaten und berufliche Laufbahn:


1853 Februar 25 Geboren als Sohn des Hofkaplans Karl Weizsäcker (1822 - 1899) in Stuttgart
1861 Vater Karl Weizsäcker Professor der Theologie an der Universität Tübingen (1889) Kanzler)
1870/71 Teilnahme am Feldzug gegen Frankreich
1876 Erste höhere Dienstprüfung für den Justizdienst
1877 Zweite höhere Dienstprüfung für den Justizdienst
1877 November 15 Hilfsrichter beim Stadtgericht Stuttgart
1879 Januar 24 Justizassessor beim Oberamtsgericht Calw (unter Verbleib an der bisherigen Stelle)
1879 März 18 Promotion zum Dr. jur.
1879 Juli 8 Vermählung mit Paula von Meibom, Tochter des späteren Reichsgerichtsrats Victor von Meibom
1879 Oktober 1 Amtsrichter beim Amtsgericht für den Stadtdirektionsbezirk Stuttgart
1882 November 1 Hilfsrichter beim Landgericht Stuttgart
1883 Juli 19 Justizministerialsekretär mit Titel und Rang eines Landrichters
1885 November 6 Landrichter in Ulm, Hilfsarbeiter beim Justizministerium
1886 September 27Funktionierender Kanzleidirektor des Justizministeriums
1887 März 3 Titel und Rang eines Landgerichtsrates
1889 Dezember 27 Landgerichtsrat in Hall, Vortragender Rat des Justizministeriums
1892 Mai 13 Vortragender Rat beim Justizministerium mit dem Titel "Ministerialrat"
1896 Februar 24 Ritterkreuz des Ordens der Württembergischen Kronen
1897 Februar 24 Titel und Rang eines Ministerialdirektors. Als solcher gehörte er der 4. Rangstufe an, mit der der Personaladel verbunden war.
1899 Februar 24 Ehrenkreuz des Ordens der Württembergischen Krone
1899 Juli 31 Ministerialdirektor beim Justizministerium
1900 April 19 Wirklicher Staatsrat und Chef des Departements des Kirchen- und Schulwesens
1901 Februar 25 Staatsminister des Kirchen- und Schulwesens
1906 Februar 25 Großkreuz des Ordens der Württembergischen Krone
1906 Juni 20 Leitung der Geschäfte des Ministeriums der Auswärtigen Angelegenheiten
1906 Juni 27 Enthebung von der Verwaltung des Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens. Staatsminister der Auswärtigen Angelegenheiten, Minister der Familienangelegenheiten des Königlichen Hauses, Ordenskanzler
1906 Dezember 3 Vorsitzender des Staatsministeriums (Ministerpräsident)
1916 Oktober 5 Erhebung in den erblichen Freiherrnstand des Königreichs Württemberg
1918 November 6 Rücktritt der Regierung Weizsäcker
1918 November 8 Entlassung als Präsident des Staatsministeriums und Staatsminister der Auswärtigen Angelegenheiten
1926 Februar 2 Tod in Stuttgart; Beisetzung auf dem Pragfriedhof

2. Zur Geschichte und zum Inhalt des Bestandes:

Der Nachlass verblieb nach dem Tode Weiszäckers im Jahre 1926 zunächst in der Wohnung der Witwe in Stuttgart und wurde nach deren Übersiedlung in das 1931 auf der Moozacher Halde bei Lindau erworbenen Haus dorthin verbracht.
Am 21. Juni 1975 übereignete Freifrau Marianne von Weizsäcker den Nachlass dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Nach seiner Neuordnung steht er für wissenschaftliche Forschungen zur Verfügung. Benutzungen für Veröffentlichungen, die sich im besonderen mit dem Wirken des Ministerpräsidenten Karl Freiherr von Weizsäcker befassen und nicht nur gelegentliche Hinweise auf dessen Tätigkeit enthalten, bedürfen der Zustimmung von Professor Carl Friedrich Freiherr von Weizsäcker.
Der Nachlass besteht in der Hauptsache aus Handakten Weizsäckers aus seiner Amtszeit als Kultminister, Präsident des Staatsministeriums (Ministerpräsident), Staatsminister der auswärtigen Angelegenheiten und Minister der Familienangelegenheiten des Königlichen Hauses, vermischt mit einzelnen Registraturakten des Staatsministeriums und des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten, ferner aus amtlichen, halbamtlichen und privaten Korrespondenzen sowie aus zahlreichen Zeitungsausschnitten. Dazu kommen Korrespondenzen, Notizen, Unterlagen zu Veröffentlichungen und Zeitungsausschnitte aus seiner Ruhestandszeit. Einige wenige Unterlagen aus dem Nachlass seines Vaters, Professor Karl v. Weizsäcker sind in den Bestand aufgenommen worden (Bü 4)
An Fremdprovenienzen enthält der Nachlass Handakten des Ministerpräsidenten v. Breitling (Bü 31), Schreiben an Staatsminister v. Fleischhauer (Bü 80, 86 und 93), Korrespondenzen des Staatsministers der auswärtigen Angelegenheiten Freiherrn Julius v. Soden (Bü 151) und Schreiben Weizsäckers an General Fritz von Graevenitz (Bü 146).
Parallelüberlieferung befindet sich vornehmlich in den im Hauptstaatsarchiv liegenden Akten des Königlichen Kabinetts (E 14), des Ministeriums der Auswärtigen Angelegenheiten (E 46 - E 75), des Staatsministeriums (E 130) und des Kriegsministeriums (M 1/2) Hingewiesen sei insbesondere auf folgende Akten:
E 14: Königliches Kabinett II
Bü 487: Entlassungsgesuch Weizsäckers vom 5. November 1918
E 46: Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten III
Bü 1285 - 1300: Handakten von Weizsäcker:
Bü 1291: Annahme des Kommandos eines preußischen Armeekorps durch Herzog Albrecht von Württemberg (1905/06)
Bü 1292: Aufzeichnungen über eine Unterredung mit dem Staatssekretär des Innern Delbrück in Berlin betreffend die Elsass-lothringische Frage (1910)
Bü 1294: Russische Politik (1910)
Bü 1295: Thronfolge in Monaco (Herzog Wilhelm von Urach) (1910/12)
Bü 1296: Bundesfinanzen, Deckung der Kosten der Wehrvorlage (1912)
Bü 1297: Berichte des Württembergischen Militärbevollmächtigten in Berlin betreffend Wehrvorlagen (1912)
Bü 1298: Albanische Thronfolge (1912/13)
Bü 1299: Bericht von Weizsäckers an den König über Berliner Finanzkonferenzen (1916)
E 73: Gesandschaftsakten Verzeichnis 61
Bü 12 e - 12 i: Berichte der Bundesratsbevollmächtigten (1897-1918); Bü 12 g enthält auch Berichte des Militärbevollmächtigten in Berlin (Juli - August 1914)
Bür 42 d - 42 e: Berichte der Gesandtschaft München
E 74 I: Württembergische Gesandtschaft in Berlin
Bü 164 - 168: Politische Berichte 1914 - 1918
E 75: Württembergische Gesandtschaft in München
Bü 154 - 156: Berichte des württembergischen Gesandten in München
E 130b: Staatsministerium
Bü 5860: Handakten von Weizsäckers über den Gesetzentwurf betreffend Änderungen des Beamtengesetzes vom 28. Juni 1876 (1906/07)
M 1/2: Sonderakten des Kriegsministers und seines Adjutanten
M 660: Nachlass des Fritz von Graevenitz

Bedeutung des Nachlasses:

Der persönlich-private und vertrauliche Charakter zahlreicher Schriftstücke dieses Nachlasses steuert zum Bild dieser Zeit Nuancen bei, die in den amtlichen Papieren naturgemäß fehlen. Das gilt für Weizsäckers Amtszeit als Kultminister, in der er sich für die Abschaffung der geistlichen Schulaufsicht und für die Verfassungsreform einsetzte, und das trifft noch mehr für die Zeit von 1906 bis 1918 zu, in der er als Präsident des Staatsministeriums die Regierungsgeschäfte leitete und gleichzeitig Staatsminister der Auswärtigen Angelegenheiten war. Die Frage des Verhältnisses Württembergs zum Reich und ganz allgemein des bundesstaatlichen Zusammenwirkens sowie die Ansichten der württembergischen Regierung zur deutschen Außenpolitik vor dem 1. Weltkrieg und vor allem die württembergische Einstellung zur deutschen Politik während des Krieges erhalten durch die Unterlagen dieses Nachlasses schärfere Konturen. In dieser Zeit sind die Korrespondenz mit seinem Freund Alfred von Kiderlen-Waechter, die Berichte der württembergischen Gesandten aus Berlin (v. Varnbüler) und München (v. Moser) sowie die Berichte des württembergischen Militärbevollmächtigten in Berlin bzw. im Großen Hauptquartier (v. Graevenitz) von besonderer Bedeutung. Nachdem die Überlieferung der beiden Gesandtschaften und die Berichte des Militärbevollmächtigten in den amtlichen Akten unvollständig sind - die Unterlagen des Militärbevollmächtigten in Berlin sind zum größten Teil vernichtet -, vermögen die Berichte aus dem Nachlass manche Lücke zu schließen. Inhaltlich sagen diese halbamtlichen, in persönlich-privater Form abgefassten Berichte - v. Graevenitz war Gegenschwieger Weizsäckers und auch v. Varnbüler stand ihm persönlich nahe - wesentlich mehr aus als die amtlichen Berichte dieser württembergischen Diplomaten.

3. Zur Ordnung des Bestands:

Weizsäcker ordnete seine Unterlagen nach Sachbetreffen oder nach Personen ohne systematische Gliederung. Nach seinem Tod gingen bei Umlagerungen und wohl auch bei Benutzungen des Nachlasses manche Zusammenhänge verloren. Im Laufe der Zeit wurden verschiedentlich kleinere Ordnungsversuche unternommen, die sich jedoch nur auf einzelne Unterlagen erstreckten. So wurden auf einigen Akten Bewertungsvermerke angebracht, wie: "Mit Ausnahme der Briefe weniger wertvoll" oder "bis auf eventuelle Einzelbriefe wertlos". Weitergehend war eine Ordnung, die mindestens 18 Büschel oder Einzelstücke erfasste und die noch mit folgenden Nummern rekonstruiert werden kann:
1 Lebenserinnerungen
2
3 Brief von Friedrich Großherzog von Baden, 1923
4 Bethmann Hollweg
5 Fritz von Graevenitz (Schreiben an Weizsäcker, 1911-1918)
6 Kiderlen-Waechter
7 Briefe von Adolf Freiherr Marschall von Bieberstein, (1906) 1908
8 Briefe von Moser von Filseck, 1906-1913
9 Brief von Ritter, königlich Bayerischer Gesandter in Stuttgart, 1909
10 Schriftwechsel mit Wilhelm Herzog von Urach, 1906-1924
11 Schriftwechsel mit Königin Charlotte von Württemberg, 1922-1925
12 Philipp Albrecht Herzog von Württemberg, 1914-1924
13 Motivierung der Entlassung des Reichskanzlers Fürst Bülow durch Kaiser Wilhelm II.
14 Kriegsschuldfrage 1925-1926
15
16
17
18a Varnbülerberichte vom 14. Juli 1909 (Daily Telegraph-Affäre)
Teile des Nachlasses wurden im Jahr 1965 vom Bundesarchiv verfilmt.
Nachdem der Nachlass ins Hauptstaatsarchiv verbracht worden war, wurde er in den Jahren 1975 bis 1979 von Leitendem Staatsarchivdirektor Dr. Eberhard Gönner systematisch geordnet und verzeichnet. Dabei konnten die oben erwähnten 18 Büschel nicht in ihrer bisherigen Zusammensetzung verbleiben. Gewisse Schwierigkeiten bereitete die zeitliche Einordnung von Notizen Weizsäckers, weil diese nicht immer klar als zeitgenössische Aufzeichnungen oder spätere Notizen für geplante Veröffentlichungen zu identifizieren waren.
Die Titelaufnahmen sind von November 1985 bis März 1986 von Eberhard Gönner überarbeitet worden, wobei die Korrespondenzen weiter aufgeschlüsselt und Indices angelegt worden sind. Aus Gründen der Übersichtlichkeit sind die "Enthält" und "Darin"-Vermerke sowie die "Betreffe" in der Regel durchnummeriert worden. Den "Enthält" und "Darin"-Vermerken entsprechen im allgemeinen archivalische Einheiten (Schriftstücke oder Unterfaszikel), den "Betreffen" nur ausnahmsweise.
Der Bestand umfasst 177 Büschel Akten mit insgesamt 2,6 lfd. m.
Stuttgart, im März 1986
Eberhard Gönner

Bewertung, Vernichtung und Terminierung

Zuwächse

Ordnung und Klassifikation

Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart
(Archivtektonik) >> Nachlässe, Verbands- und Familienarchive >> Politische Nachlässe

Bedingungen des Zugriffs- und Benutzungsbereichs

Benutzungsbedingungen

Reproduktionsbedingungen

In der Verzeichnungseinheit enthaltene Sprache

Schrift in den Unterlagen

Anmerkungen zu Sprache und Schrift

deutsch

Physische Beschaffenheit und technische Anforderungen

Bereich Sachverwandte Unterlagen

Existenz und Aufbewahrungsort von Originalen

Existenz und Aufbewahrungsort von Kopien

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Karl Freiherr von Weizsäcker: Württembergische Erinnerungen. In: Deutsche Revue 44 (1919), Band 3, S. 97-102, 201-211, Band 4, S. 1-6, 97-109.

Verwandte Beschreibungen

Bereich "Anmerkungen"

Anmerkung

Alternative Identifikatoren/Signaturen

Zugriffspunkte

Zugriffspunkte (Name)

Zugriffspunkte (Genre)

Bereich "Beschreibungskontrolle"

Identifikator "Beschreibung"

labw-1-3011

Archivcode

Benutzte Regeln und/oder Konventionen

Status

Erschließungstiefe

Daten der Bestandsbildung, Überprüfung, Löschung/Kassierung

Sprache(n)

Schrift(en)

Quellen

Anmerkung des Archivars/der Archivarin

Bereich Zugang