Bestand Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, IV. HA, Rep. 7 - Offizierswitwenkasse und andere militärische Versorgungsstellen (Bestand)

Bereich "Identifikation"

Signatur

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, IV. HA, Rep. 7

Titel

Offizierswitwenkasse und andere militärische Versorgungsstellen (Bestand)

Datum/Laufzeit

Erschließungsstufe

Bestand

Umfang und Medium

Bereich "Kontext"

Bestandsgeschichte

Abgebende Stelle

Bereich "Inhalt und innere Ordnung"

Eingrenzung und Inhalt

1. Behördengeschichte

1.1 Preußische Offizierswitwenkasse

Die Preußische
Offizierswitwenkasse wurde 1792 als eine mit staatlicher Garantie und Unterstützung ausgestattete
Versicherungsanstalt für verheiratete Offiziere der preußischen Armee gegründet. Für die aktiven Offiziere
bestand erst ab dem Jahre 1810 eine Beitrittspflicht, vorher war lediglich der freiwillige Beitritt
vorgesehen. Inaktive Offiziere konnten ab dem Jahre 1813 auf freiwilliger Basis beitreten. Für Beamte der
Militärverwaltung bestand seit 1818 eine Beitrittspflicht (vgl.: GStA PK, IV. HA, Rep. 7, Nr. 7416). Die
Offizierswitwenkasse war bis 1824 organisatorisch mit der bereits im Jahre 1775 gegründeten Allgemeinen
Witwenverpflegungsanstalt verbunden. Die Bezeichnung der Offizierswitwenkasse wurde später in
Militärwitwenkasse und zuletzt in Militärwitwenpensionsanstalt geändert.

Grundlage für die Tätigkeit
der Versicherungsanstalt war das Reglement für die Königlich Preußische Offizierswitwenkasse vom 3. März 1792
(vgl.: GStA PK, IV. HA, Rep. 7, Nr. 7413), das im Laufe der Zeit durch die folgenden Gesetze bzw.
Instruktionen geändert wurde:


  • Gesetz, betreffend einige Abänderungen des Reglements für die

Offizierswitwenkasse vom 3. März 1792, vom 17. Juli 1865 (vgl.: Gesetzsammlung für die Königlich-Preußischen
Staaten, 1865, S. 817-840; GStA PK, IV. HA, Rep. 7, Nr. 7417)

  • Instruktion zur Ausführung des Gesetzes

vom 17. Juli 1865, einige Abänderungen des Reglements für die Offizierswitwenkasse vom 3. März 1792
betreffend, vom 26. September 1865 (vgl.: Ministerial-Blatt für die gesammte innere Verwaltung in den
Königlich Preußischen Staaten, 1865, S. 311-315; GStA PK, IV. HA, Rep. 7, Nr. 7417)

  • Gesetz betreffend

Änderungen des Reglements für die Königlich Preußische Offizierswitwenkasse, vom 15. Juni 1897 (vgl.:
Gesetzsammlung für die Königlich-Preußischen Staaten, 1897, S. 185-186; GStA PK, IV. HA, Rep. 7, Nr. 7417).


Durch Instruktion vom 26. September 1865 wurde u. a. der Kreis der Militärpersonen, die zum Beitritt
zur Offizierswitwenkasse verpflichtet bzw. berechtigt waren, verbindlich festgelegt.
Eine
Beitrittspflicht bestand für:

  • alle aktiven Offiziere der Armee (einschließlich Gendarmerie) und der

Marine;

  • alle mit Gehalt oder Pension zur Disposition gestellten Offiziere der Armee und Marine;
alle aktiven Militär- und Marinebeamten mit einem Jahresgehalt von mehr als 250 Talern;

  • alle mit Gehalt

oder Pension gestellten Militär- und Marinebeamten mit einem früheren Jahresgehalt von mehr als 250 Talern;


  • Zivilbeamte des Kriegsministeriums, die ein Jahresgehalt von mindestens 250 Talern aus dem Heeres- oder

Marineetat beziehen.

Weiterhin waren zum Beitritt auf freiwilliger Basis berechtigt:

  • die mit

Aussicht auf Wiederanstellung aus dem aktiven Dienst ausgeschiedenen Offiziere;

  • die mit Aussicht auf

Wiederanstellung aus dem aktiven Dienst ausgeschiedenen Militär- und Marinebeamten mit einem früheren
Jahresgehalt von mehr als 250 Talern;

  • die beurlaubten Offiziere der Landwehr;
  • die Militär- und

Marinebeamte mit einem Jahresgehalt von weniger als 250 Talern;

  • die Offiziere und Beamte, die während

einer Mobilmachung für die Dauer des Kriegszustandes in den Heeresdienst eintreten.

Durch das
Gesetz, betreffend die Fürsorge für Witwen und Waisen der unmittelbaren Staatsbeamten vom 20. Mai 1882 (vgl.:
Gesetzsammlung für die Königlich-Preußischen Staaten, 1882, S. 298-304) wurde die Versorgung der
Hinterbliebenen der preußischen Staatsbeamten neu geregelt. Der § 23 dieses Gesetzes räumte den bisher in der
Militärwitwenkasse versicherten Militärbeamten ein Austrittsrecht innerhalb eines Zeitraumes von 3 Monaten
ein. Militärbeamte durften nicht mehr als Mitglieder der Militärwitwenkasse aufgenommen werden.


Durch das Gesetz, betreffend die Fürsorge für Witwen und Waisen von Angehörigen des Reichsheeres und
der Kaiserlichen Marine vom 17. Juni 1887 (vgl.: Reichsgesetzblatt, 1887, S. 237-244; GStA PK, IV. HA, Rep. 7,
Nr. 7421) wurde die reichsgesetzliche Hinterbliebenenversorgung für Offiziere, Militärärzte und Militärbeamte
des Reichsheeres und der Kaiserlichen Marine eingeführt. Aufgrund dieses Gesetzes bestand keine
Mitgliedschaftspflicht für die Militärwitwenkasse mehr und deren Mitglieder hatten die Möglichkeit, innerhalb
von einer Frist von 3 Monaten aus der Kasse auszutreten. Darüber hinaus wurde im § 29 dieses Gesetzes
festgelegt, dass keine neuen Mitglieder mehr aufgenommen werden durften.

Die preußische
Militärwitwenkasse blieb jedoch auch nach 1887 zur Abwicklung ihrer Aufgaben bestehen. Diejenigen Mitglieder
und Witwen, die von ihrem Austrittsrecht keinen Gebrauch gemacht hatten, konnten weiterhin Leistungen der
Militärwitwenkasse beziehen. Aufgrund erheblicher finanzieller Probleme konnten die Zahlungen bereits vor dem
Ersten Weltkrieg nur mit Hilfe von Zuschüssen des Reichs aufrechterhalten werden. Im Zug der Inflation wurden
die bis dahin noch ausgezahlten Pensionen völlig entwertet und die Zahlungen zum Ende des Jahres 1923
vollständig eingestellt. Die preußische Militärwitwenkasse und die ihr angeschlossenen Einrichtungen wurden
endgültig aufgelöst (vgl.: Bitter, Rudolf von: Handwörterbuch der Preußischen Verwaltung, 3. Aufl., Berlin und
Leipzig 1928, Bd. 2, S. 167).

1.2 Angegliederte Militärwitwen- und Waisenkassen

Infolge
des Deutschen Krieges von 1866 wurden die militärischen Versorgungskassen der annektierten Staaten Hannover,
Kurhessen und Nassau der preußischen Militärwitwenkassen angegliedert. Die Kassen wurden jedoch nicht formal
aufgelöst, sondern bestanden für die pensionsberechtigten Mitglieder fort und wurden bis zur endgültigen
Abwicklung im Jahre 1923 von der preußischen Militärwitwenkasse weiterverwaltet.

Es handelt sich
hierbei um die folgenden Kassen:

  • Hannoversche Unteroffizierswitwenkasse (vgl. GStA PK, IV. HA, Rep. 7,

Nr. 6834 [Reglement von 1850])

  • Kurhessische Militärwitwen- und waisenanstalt (vgl. GStA PK, IV. HA,

Rep. 7, Nr. 7420 [Statuten von 1858])

  • Nassauische Offizierswitwen- und waisenkasse (vgl. GStA PK, IV.

HA, Rep. 7, Nr. 7444 [Statuten von 1828]).
Im Jahre 1902 kam noch die Unteroffizierswitwenkasse des
Mecklenburg-Schwerinschen Kontingents hinzu (vgl. GStA PK, IV. HA, Rep. 7, Nr. 7418 [Statuten von 1904]).
Diese war aus dem bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bestehenden Unteroffizierswitwenkassenverein des
Mecklenburg-Schwerinschen Kontingents hervorgegangen.

1.2 Pensionsabteilung des Kriegsministeriums


Für die Bearbeitung der Pensions- und Versorgungsangelegenheiten der preußischen Armee war das
Departement für das Invalidenwesen zuständig, das später die Bezeichnung Pensionsabteilung erhielt. Nach dem
Ende des Ersten Weltkrieges erfolgte eine Abwicklung der militärischen Versorgungsstellen zunächst durch die
Pensionsabteilung (Abw) des Heeresabwicklungsamtes Preußen und später durch die Abteilung Preußen des
Reichspensionsamtes für die ehemalige Wehrmacht. Zu Beginn der 1920er Jahre wurden die Versorgungsakten an die
zuständigen Versorgungsämter abgegeben. Ein Teil der Versorgungsakten wurde hierbei vom Hauptversorgungsamt
Brandenburg-Pommern übernommen und gelangte über diese Stelle schließlich in das Geheime Staatsarchiv PK.


1.3 Pensionsabteilung des Reichsmarineamtes

Im Reichsmarineamt war die Abteilung A II
(Abteilung für Justiz- und Versorgungsangelegenheiten) für die Bearbeitung der Pensions- und
Unterstützungssachen der Marineoffiziere und -beamten zuständig. Auch diese Abteilung wurde nach dem Ersten
Weltkrieg durch folgende Stellen abgewickelt:

  • Reichswehrministerium, Admiralität, Abteilung für die

Abwicklung der Hinterbliebenen- und Unterstützungsangelegenheiten

  • Reichsministerium des Innern,

Pensionsabteilung (ehemalige Marine)

  • Reichspensionsamt für die ehemalige Wehrmacht, Abteilung Marine.



Letztendlich wurden die Versorgungsakten der Marine an die zuständigen Versorgungsämter verteilt und
gelangten so teilweise auch an das Hauptversorgungsamt Brandenburg-Pommern und auf diesem Wege an das Geheime
Staatsarchiv PK.

1.4 Hauptversorgungsamt

Das Hauptversorgungsamt Brandenburg-Pommern war
eine dem Reichsarbeitsministerium direkt unterstellte Reichsbehörde für die Leitung des
Reichsversorgungswesens im Gebiet der Provinzen Brandenburg und Pommern. Dem Hauptversorgungsamt waren die
verschiedenen regionalen Versorgungsämter nachgeordnet. Das Reichsversorgungswesen betraf die Versorgung von
Militärangehörigen, die auf Grund einer Dienstbeschädigung oder Dienstunfähigkeit einen Anspruch auf
Versorgungsleistungen bzw. Heilbehandlungen zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit hatten. Auch die Versorgung
der Hinterbliebenen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten bzw. der auf Grund einer Dienstbeschädigung
verstorbenen Militärangehörigen gehörte ebenfalls in den Zuständigkeitsbereich des Reichsversorgungswesens
(vgl.: Bitter, Rudolf von: Handwörterbuch der Preußischen Verwaltung, 3. Aufl., Berlin und Leipzig 1928, Bd.
2, S. 937). Die Grundlage für die Tätigkeit des Hauptversorgungsamtes bzw. der Versorgungsämter bildete das
Gesetz über die Versorgung der Militärpersonen und ihrer Hinterbliebenen bei Dienstbeschädigung
(Reichsversorgungsgesetz) vom 12. Mai 1920 (vgl.: Reichsgesetzblatt, 1920. S. 989-1019). Der Behördenaufbau
wurde zunächst provisorisch durch das Gesetz über die Versorgungsbehörden vom 15. Mai 1920 (vgl.:
Reichsgesetzblatt, 1920, S. 1063f) und endgültig durch das Gesetz über das Verfahren in Versorgungssachen vom
10. Januar 1922 (vgl.: Reichsgesetzblatt, 1922, S. 59-85) geregelt.

2. Bestandsgeschichte


2.1 Militärwitwenkassen

Zunächst wurden nur die bis zur Auflösung der alten Armee im Jahre
1806 erwachsenen Unterlagen der preußischen Offizierswitwenkasse vom Reichsarchiv, Abteilung Berlin, an das
Geheime Staatsarchiv PK abgegeben (vgl.: GStA PK, I. HA, Rep. 178 C 4, Nr. 2585 [Accessionsjournal
1910-1926]). Es handelte sich hierbei um eine relativ geschlossene Registratur, die seinerzeit über das
Geheime Archiv des Kriegsministeriums an das Reichsarchiv gelangt war. Der Bestand umfasste die nach
Truppenteilen geordneten sog. Rezeptionsakten (Beitrittsakten der Mitglieder) und erhielt die
Bestandsbezeichnung He. A. Rep. 7 A Offizierswitwenkasse - Alte Registratur. Die vor dem Jahre 1806
entstandenen Generalakten und Anlehnakten (Akten über ausgeliehene Kapitalien der Kasse) wurden bereits 1865
kassiert. Ebenfalls von der Kassation betroffen waren die Witwenakten, soweit sie nicht mit den Vorgängen aus
den Rezeptionsakten in die neue Registratur (He. A Rep. 7 B) übernommen wurden (Meisner, Heinrich Otto;
Winter, Georg: Übersicht über die Bestände des Geheimen Staatsarchivs zu Berlin-Dahlem, 2. Teil, Leipzig 1935,
S. 110-112). Diese Akten wurden im Rahmen der Bestandsabgrenzung in den 1930er Jahren an das Heeresarchiv in
Potsdam abgegeben und dort wahrscheinlich bei der kriegsbedingten Zerstörung dieses Archivs im Jahre 1945
vernichtet. Es ist lediglich ein nach Truppenteilen geordnetes Mitgliederverzeichnis vorhanden, das den Umfang
der vernichteten Rezeptionsakten der "Alten Registratur" erahnen lässt (vgl. GStA PK, IV. HA, Rep. 7, Nr.
7598).

Im Jahre 1935 wurden ebenfalls vom Reichsarchiv, Abteilung Berlin, die nach 1806 entstandenen
Archivalien der Offizierswitwenkassen übernommen und als Bestand He. A. 7 B Offizierswitwenkasse - Neue
Registratur reponiert (Meisner, Heinrich Otto; Winter, Georg: Übersicht über die Bestände des Geheimen
Staatsarchivs zu Berlin-Dahlem, 2. Teil, Leipzig 1935, S. 110-112).

Zu den übernommenen Akten
gehörten u. a. die Generalakten, Rechnungsunterlagen, Namensregister, die Mitgliederakten und die Witwenakten
der preußischen Offizierswitwenkasse sowie die Unterlagen der durch die preußische Militärwitwenkasse
verwalteten angegliederten Militärwitwenkassen (der ehemaligen hannoverschen, kurhessischen und nassauischen
Streitkräfte, sowie des mecklenburg-schwerinischen Kontingents). Auch dieser Bestand wurde im Zuge der o. g.
Bestandsabgrenzung zu großen Teilen (u. a. die Mitglieder- und Witwenakten) an das Heeresarchiv in Potsdam
abgegeben und dort ebenfalls bei der Zerstörung dieses Archivs vernichtet.

Der Umfang der verlorenen
Mitglieder- bzw. Witwenakten lässt sich anhand der Feststellung, dass 1935 ungefähr "1000 große Pakete betr.
Offizierswitwenkasse" Akten ins Geheime Staatsarchiv PK übernommen wurden, nur noch erahnen (vgl.: GStA PK, I.
HA, Rep. 178 C 4, Nr. 2586 [Zugangsbuch für Archivalien 1927-1935]). Im Geheimen Staatsarchiv PK verblieb
lediglich eine geringe Anzahl von Generalakten sowie einige Rechnungsunterlagen. Neben dem Mitgliederkataster
(Mitgliederverzeichnis) blieb noch eine Anzahl von Namensregistern und Aktenverzeichnisse erhalten. Diese
bieten jedoch nur sehr geringe Informationen zu den Mitgliedern der Militärwitwenkasse bzw. deren Angehörigen.


2.2 Versorgungsakten

Die in den Versorgungsabteilungen des Kriegsministeriums bzw. des
Reichsmarineamtes entstandenen Versorgungsakten wurden nach der Abwicklung der betreffenden militärischen
Stellen an das Hauptversorgungsamt Brandenburg-Pommern angegeben. Im Oktober 1946 wurden die Versorgungsakten
durch das Geheime Staatsarchiv PK übernommen (vgl.: GStA PK, I. HA, Rep. 178 C 4, Nr. 2586). Auf Grund der
Kriegseinwirkungen war zu diesem Zeitpunkt nur noch ein reduzierter Teil des ursprünglich erheblich
umfangreicheren Aktenmaterials vorhanden.

Die übernommenen Akten wurden 1946 einer Bewertung
unterzogen (vgl.: Vorwort zum Altfindbuch des ehemaligen Bestandes GStA PK, X. HA, Rep. 101). Seinerzeit
wurden die Versorgungsakten der folgenden Gruppen von Militärpersonen als archivwürdig eingestuft:

Offiziere (ab dem Dienstgrad Oberst bzw. Kapitän zur See)

  • Militärärzte
  • Veterinäre
Baubeamte

  • Verwaltungsbeamte
  • Richter und Auditeure
  • Geographen, Topographen und

Kartographen

  • Professoren und Lehrer an militärischen Schulen
  • Heerespfarrer
  • Angehörige der

kolonialen Schutztruppen

  • Teilnehmer an kolonialen Feldzügen.


Außerdem wurden noch ausgewählte
Einzelfälle überliefert. Die übrigen Akten wurden kassiert. Aus den übernommenen Versorgungsakten wurde der
Bestand GStA PK, X. HA, Rep. 101 Versorgungsakten gebildet. Diese Akten enthalten eine Vielzahl von
biographischen Materialien wie z. B. Abschiedsgesuche, Dienstlaufbahnzeugnisse, Pensionsnachweisungen,
Gehaltsfragebögen und Unterstützungsgesuche.

Zusammen mit den Versorgungsakten wurden wahrscheinlich
auch die Aktenverzeichnisse und Pensionsempfängerverzeichnisse sowie einzelne Akten der Versorgungsabteilungen
des Kriegsministeriums bzw. des Reichsmarineamtes, die ebenfalls im Hauptversorgungsamt Brandenburg-Pommern
verwahrt wurden, an das Geheime Staatsarchiv PK abgegeben. Eine Verzeichnung dieses Teilbestandes erfolgte
hierbei nicht.

Außerdem befinden sich im Bestand noch einige Akten von Stiftungen und Truppenfonds
zur Unterstützung ehemaliger Militärangehöriger, u. a. der Stiftung Nationaldank für Veteranen. Diese
Stiftungen wurden durch die Pensionsabteilung des Kriegsministeriums verwaltet. Die Akten gelangten ebenfalls
über das Hauptversorgungsamt Brandenburg-Pommern in das Geheime Staatsarchiv PK. Bei den überlieferten Akten
handelt es sich vor allem um eine überschaubare Anzahl von Unterlagen zur Rechnungsführung und
Kapitalverwaltung der Stiftungen. Verzeichnisse mit den Namen von Unterstützungsempfängern sind bis auf eine
Ausnahme (vgl. GStA PK, IV. HA, Rep. 7, Nr. 6931) jedoch nicht vorhanden.

Im Rahmen der Neuordnung
des Bestandes in den Jahren 2009 und 2010 wurde das bereits vorhandene Findbuch aus dem Jahr 1949 durch den
Archivangestellten Guido Behnke retrokonvertiert. Außerdem erfolgte die Verzeichnung der bisher noch
unverzeichneten Archivalien (Verzeichnisse und Register der Militärwitwenkassen und der
Versorgungsabteilungen). Der Bestand wurde anhand einer neuerstellten Klassifikation geordnet.

3.
Benutzungshinweise

3.1 Militärwitwenkassen

Eine wichtige Quelle zur Ermittlung von
biographischen Informationen zu Offizieren der preußischen Armee stellt die sogen. Offiziersnomenklatur (vgl.:
GStA PK, IV. HA, Rep. 1, Nr. 71-95) dar. Es handelt sich hierbei um eine alphabetisch geordnete Auflistung von
militärischen Daten von Offizieren für einem Zeitraum vom 18. Jahrhundert bis ungefähr zu den Jahren 1873/74.
Bedauerlicherweise sind einige Bände der Offiziersnomenklatur nicht im Bestand des Geheimen Staatsarchivs PK
überliefert. In diesem Zusammenhang kann das Mitgliederverzeichnis der preußischen Offizierswitwenkasse eine
sinnvolle Ergänzung darstellen. Hierbei muss jedoch hervorgehoben werden, dass nur die Namen derjenigen
Offiziere bzw. Militärbeamte in diesem Verzeichnis vorhanden sind, die zum Kreis der berechtigten Mitglieder
der Militärwitwenkasse gehörten. Dies bedeutet vor allem, dass sie zum Zeitpunkt ihrer militärischen Karriere
verheiratet waren. Außerdem ist noch wichtig, dass nur eine relativ geringe Anzahl von biographischen Daten
(z. B. Geburts- und Sterbedatum, Name der Ehefrau, Truppenteil) in den Mitgliederverzeichnissen vorhanden ist.
Hierbei ist jedoch zu beachten, dass die ursprünglich vorhandenen Mitglieder- bzw. Witwenakten nicht
überliefert sind.

Für die Benutzung der Mitgliederverzeichnisse ist zunächst die Ermittlung der
Mitgliedsnummer der gesuchten Militärperson notwendig. Hierzu können die alphabetischen Namensregister
(Klassifikationsgruppe 01.07.01) herangezogen werden. Sobald die Mitgliedsnummer bekannt ist, können die
betreffenden chronologisch geordneten Mitgliederverzeichnisse durchgesehen werden.

Hierbei handelt
es sich zunächst um das sogen. Mitgliederkataster, das sämtliche seit der Gründung der Offizierswitwenkasse
beigetrete Mitglieder in chronologischer Reihenfolge beinhaltet. Neben dem Mitgliederkataster ist auch noch
das sogen. Spezialmanual vorhanden, das ebenfalls nach Mitgliedsnummern geordnet ist.

Für einzelne
Personen wurden auch mehrere Mitgliedsnummern vergeben (z. B. bei der Änderung der Pensionssumme,
Neuverheiratung). Im Spezialmanual befindet sich der betreffende Eintrag in diesem Fall jeweils unter der
niedrigsten Mitgliedsnummer. Unter den weiteren Mitgliedsnummern befinden sich jeweils nur Verweise auf den
ersten Eintrag. Da das Spezialmanual teilweise einige weitergehende Informationen als das Mitgliederkataster
aufweist, sollte es bei einer Recherche auch herangezogen werden. Das Spezialmanual ist jedoch erst ab dem
Jahre 1835 (beginnend mit der Mitgliedsnummer 13001) vorhanden.

Im Mitgliederkataster und im
Spezialmanual ist ebenfalls, soweit der Leistungsfall eingetreten und eine Witwenpension gezahlt wurde, eine
Witwennummer aufgeführt. Anhand dieser Witwennummer können auch die chronologisch geordneten
Witwenverzeichnisse (Klassifikationsgruppe 01.08.02) durchgesehen werden, die evtl. noch einige weitere
Informationen zur Witwe der gesuchten Militärperson beinhalten können.

Die einzelnen Schritte der
Recherche sollen nun an einem Beispiel erläutert werden:
Gesucht werden Informationen zum Generalleutnant
August von Witzleben.
1.) In der Klassifikationsgruppe 01.07.01 kann im betreffenden Band des
alphabetischen Namensverzeichnisses (GStA PK, IV. HA, Rep. 7, Nr. 7394) die Mitgliedsnummer (Nr. 20369) und
die Witwennummer (Nr. 10577) ermittelt werden.
2.) Anhand der Mitgliedsnummer kann in der
Klassifikationsgruppe 01.07.02 der betreffende Band des Mitgliederkatasters (GStA PK, IV. HA, Rep. 7, Nr.
6935) bzw. Spezialmanuals (GStA PK, IV. HA, Rep. 7, Nr. 7197) ermittelt und durchgesehen werden.
3.)
Anhand der Witwennummer kann dann noch in der Klassifikationsgruppe 01.08.02 im betreffenden Band des
Witwenverzeichnisses (GStA PK, IV. HA, Rep. 7, Nr. 7178) recherchiert werden.

Für die der
preußischen Militärwitwenkasse angegliederten Militärwitwen- und Waisenkassen sind ebenfalls einzelne
Mitgliederverzeichnisse bzw. Witwen- und Waisenverzeichnisse im Bestand vorhanden.

3.2
Versorgungsakten

Die Versorgungsakten sind im Findbuch alphabetisch nach dem Namen des
entsprechenden Militärangehörigen unter der Klassifikation 08 aufgeführt. Aus diesem Grund verfügt dieses
Findbuch über kein Namensregister. Neben dem Dienstgrad der betreffenden Person sind z. T. auch die Namen der
Witwen bzw. sonstigen Hinterbliebenen aufgeführt.

Diesem, wenn auch reduzierten, Aktenbestand kommt
für die biographische Forschung zu einzelnen Offizieren und Militärbeamten eine erhebliche Bedeutung zu, da
durch die kriegsbedingte Vernichtung des Heeresarchivs im Jahre 1945 eine sehr groß Anzahl von Akten mit
biographischen Material vernichtet worden ist, wie z. B. auch im konkreten Fall die Mitglieder- bzw.
Witwenakten der Offizierswitwenkasse (Devantier, Sven Uwe: Das Heeresarchiv Potsdam - Die Bestandsaufnahme in
der Abteilung Militärarchiv des Bundesarchivs, in: Archivar, 61. Jg., Heft 4, 2008, S. 361-369).

Die
in den Klassifikationsgruppen 05.04 und 06.02 aufgeführten Pensionsempfänger-verzeichnisse des
Kriegsministeriums bzw. des Reichsmarineamtes enthalten jeweils nur wenige Informationen. Da aber wie bereits
erwähnt ein großer Teil der Versorgungsakten auf Grund der Kriegsfolgen und der Kassation nicht überliefert
ist, können im Einzelfall zumindest die Grundinformationen zu den betreffenden Militärangehörigen recherchiert
werden.

4. Verweise auf andere Bestände des Geheimen Staatsarchivs PK

Eine geringe Anzahl
von Akten zu Versorgungsangelegenheiten einzelner Offiziere befindet sich in der Klassifikationsgruppe 13.5
Militärsachen/Personalangelegenheiten des Bestandes GStA PK, I. HA, Rep. 89 Geheimes Zivilkabinett (vgl.:
Findbuch des Bestandes GStA PK, I. HA, Rep. 89, Bd. 17, S. 2805-2812).

Des Weiteren befinden sich
einzelne Akten zur Offizierswitwenkasse und zu militärischen Versorgungsangelegenheiten auch in den folgenden
Beständen:

  • GStA PK, I. HA, Rep. 77 Ministerium des Innern
  • GStA PK, I. HA, Rep. 84a

Justizministerium

  • GStA PK, I. HA, Rep. 89 Geheimes Zivilkabinett
  • GStA PK, I. HA, Rep. 91 C

Militär- und Zivilgouvernement für das Land zwischen Weser und Elbe zu Halle bzw. Halberstadt

  • GStA PK,

I. HA, Rep. 151 Finanzministerium

  • GStA PK, II. HA Generaldirektorium
  • GStA PK, III. HA

Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten

  • GStA PK, IV. HA, Rep. 16 Dienstvorschriften.


5.
Anmerkungen, Bestellsignatur und Zitierweise

Bestandsumfang: 7571 VE (40 lfm)

Laufzeit:
1792 - 1945

Nicht vergebene Signaturen: 581, 867-876, 1034-1043, 1154-1158, 1443, 1864


Letzte vergebene Signatur:

Die Akten sind zu bestellen: IV. HA, Rep. 7, Nr. (…)


Die Akten sind zu zitieren: GStA PK, IV. HA Preußische Armee, Rep. 7 Offizierswitwenkasse und andere
militärische Versorgungsstellen, Nr. (…)


Berlin, März 2011


(Guido Behnke)


Findmittel: Datenbank; Findbuch, 5 Bde

Bewertung, Vernichtung und Terminierung

Zuwächse

Ordnung und Klassifikation

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (Archivtektonik) >> PREUSSISCHE ARMEE >> Militärverwaltung und Truppenführung >> Zentrale bzw. Obere Verwaltungs- und Kommandobehörden

Bedingungen des Zugriffs- und Benutzungsbereichs

Benutzungsbedingungen

Reproduktionsbedingungen

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz

In der Verzeichnungseinheit enthaltene Sprache

  • Deutsch

Schrift in den Unterlagen

Anmerkungen zu Sprache und Schrift

deutsch

Physische Beschaffenheit und technische Anforderungen

Findmittel

http://archivdatenbank.gsta.spk-berlin.de/midosasearch-gsta/MidosaSEARCH/Bestaendeuebersicht/index.htm?uid=GStA PK_Bestaendeuebersicht_IV_HA_Rep_7&kid=GStA PK_Bestaendeuebersicht_8e447483-afa3-4fdf-ab0c-ba6c2f2bbbd0

Bereich Sachverwandte Unterlagen

Existenz und Aufbewahrungsort von Originalen

Existenz und Aufbewahrungsort von Kopien

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Verwandte Beschreibungen

Bereich "Anmerkungen"

Anmerkung

Alternative Identifikatoren/Signaturen

Zugriffspunkte

Zugriffspunkte (Ort)

Zugriffspunkte (Name)

Zugriffspunkte (Genre)

Bereich "Beschreibungskontrolle"

Identifikator "Beschreibung"

iv_ha_rep_7

Archivcode

Benutzte Regeln und/oder Konventionen

Status

Erschließungstiefe

Daten der Bestandsbildung, Überprüfung, Löschung/Kassierung

Sprache(n)

Schrift(en)

Quellen

Anmerkung des Archivars/der Archivarin

Bereich Zugang